sommer




Die Sonne duftet
Boden weich
öffnet sich die
Hand der Zeit:

Silbrige Falter
entsteigen ihr
und liebkosen
den Himmel

(c) Barbara BaLo* Lorenz


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Zwischen Lichtnelken und Gräsern,

hingesät auf dunstigem Grund,
im Brennesselhain und
unterm Gierschbaldachin
warten schon die Glühwürmchen
auf ihren großen Auftritt:
Aufs Junileuchten im Hundsrosenbeet
und auf sonnengoldnen Johanniszauber
unterm Südsternenzelt.

(c) Barbara BaLo* Lorenz



Mein ist das
Zitronenfalterland

Es liegt fern ab
vom Wellenstrand
und doch
schäumt in ihm
weiße Gischt
und Mondenflut
spielt Wechseldich
mit Ebbezeit

Darüber spiegelt sich
des Meeres Wort
auf Himmelslein:
Ich tauche ein

(c) Barbara BaLo* Lorenz

Dornröschens Reich

Früh am Morgen war meine Großmutter schon im Garten. Um ihre Kleidung zu schonen, hatte sie Kittelschürzen und Bändelschürzen übereinander angezogen. Ihr Haar trug sie zu einem Knoten gewunden. Sie stand lächeln und gebückt zwischen den Beeten - in Erde, Arbeit und Grünzeug vertieft. Der Garten, groß und auf der einen Seite an ein Föhrenwaldgebiet und auf der anderen Seite an Schrebergärten angrenzend, war voll bepflanzt mit Essbarem - beinahe auf der ganzen Fläche. Es war ein wichtiger Bestandteil der Ernährung des Drei-Generationen-Familien-Hauses, dass im Frühling und Sommer eifrig gesät, gesteckt und gepflanzt wurde und im Herbst eine gute Ernte in Keller, Gläsern, auf Trockengestellen und später dann in der Gefriertruhe landete. Und sie landete dort nicht von selbst. Alles bedurfte der Zuwendung, Hege, Pflege und beinhaltete dreckige Hände, schmerzende Rücken und lange Stunden in der Küche. Aber keiner murrte, wir waren glücklich über die reichen Ernten. Dass dazu viel Arbeit und Einsatz notwendig waren stellte niemand in Frage. Es war einfach so. Es gehörte dazu. Es machte lebendig und froh. Und es machte wirklich auch zufrieden. In einem tieferen Sinn: Wenn man abends müde war, wusste man auch warum, und, dass es sich gelohnt hatte. Manchmal, wenn ich, von der modernen Welt gehetzt in dem Garten, der heute meiner ist, ein Refugium zu finden suche, erfüllen mich gemischte Gefühle: Wehmut darüber, dass so vieles mit meinen verstorbenen Lieben mit verschwunden ist, Scham wegen eigener Versäumnisse dem Garten gegenüber, Dankbarkeit für gute Erinnerung an fruchtbarere Tage und gemeinsame Erlebnisse und Glücksmomente. Als Kind mit tapsigen Schritten die Gartenwege entlang gestapft zu sein, in der Hand gemopste Johannisbeeren, im Mund Schnittlauchstängel. Was war das ein Paradies!
Auf diesen Wegen wachsen heute Moos, Dost und Baldrian. Eidechsen huschen durch die "naturnahe" Umgebung. Färberginster, Hundsrosen und Lichtnelken blühen zwischen Wacholder, Mahonie und verwilderter Damaszenerrose. Und ich bin die Königin in diesem verwunschenen Reich. Alles reift mit den Jahren, ergibt sich leise dem Odem der Vergänglichkeit. Steine bleiben. Spuren verwischen. Quecken wachsen weiter. Die Generation der Kittelschürzen tragenden Frauen hat fast alle Gärten verlassen. Zurück bleiben die allzu wenigen Gemüsegärten in den Dörfern und Vorstädten, die botanischen und ‚hortikuluterellen’ Kunststücke moderner Grünlandschaften im jeweils angesagten Stil, Parkplätze und Supermarktflachbauten und Dornröschenheckenreiche - wie meins.

(c) Barbara BaLo* Lorenz

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Papa im Garten,

in seinem Reich, auf seiner “Insel” inmitten einer hektischen und verworrenen Welt.

Ich werde ihn immer so sehen: in seinen besten Jahren, stark und braungebrannt, aber schon gezeichnet von Erlebtem. Mit dem Spaten in der Hand oder mit der Astschere bei der Baumpflege. Mit der grauen, wattierten „Russenjacke“, die ihn und uns immer an seine langen Jahre in Russland erinnerte, jene Zeit, die ihn so geprägt und die Spanne zwischen seinem 20. und 30. Lebensjahr zu großen Anteilen in Anspruch genommen hatte.

Oder studierend  mit einem Buch in der Hand und  der Pfeife im Mund, die herrlich duftete nach englischem Tabak. Inselaromen. Amselgesänge aus den Büschen und Möwenrufe in seinen Gedanken. Erinnerungen an Gartenparadiese jenseits des Kanals.

Dreierlei: seine Osterinnerungen, seine Westlandliebe, seine Verwurzelung mit dem heimischen Grund. Alles das wuchs unter Papas Hand bei uns, blühte, fruchtete und pflanzte sich auch in uns fort.

Ja, ich erblicke Papa in unserem Garten, lange nach seinem Tod: Wie er sich dem fruchtbaren Land hingibt, seinem Land, dem Boden unter den Füßen. Wie er geerdet und fest auf ihm steht. Die Gedanken weit wie der Himmel über ihm.

Noch in seinen späten Jahren war er der Herr über dieses Land. Wann immer und solange er konnte, werkelte er auf ihm oder träumte in ihm. Baute in den stillen Nischen aus Sandstein und Leberstein Burgen und Söller, reiste im Rauschen des Windes in den Bäumen wohin immer er wollte. Und Abends kam er zu Mama in die Küche und brachte ihr die Ernte ins Haus. Gurken, Bohnen, Tomaten, Gelbe Rüben, Sellerie, Petersilie, Kraut, Pastinaken, Beeren, Äpfel, Birnen, Zwetschgen….

Er duftete nach Gras und Erde. Seine Augen leuchteten weise und klar. Sein Tagwerk war reich und seine Insel ist grün.

(c) Barbara BaLo* Lorenz
http://www.blatt-gold.com

HP Stand 15.07.2007
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